Kürzlich sprach mich nach dem Gottesdienst eine jüngere Frau an. Sie fragte, ob ich ihr meinen einmal erstellten Gabentest zusenden könne. Ihre drei Kinder seien inzwischen so alt, dass auch der Jüngste gerade in den Kindergarten eingetreten sei. Nun wolle sie sich neu orientieren und ihre Zeit sinnvoll einsetzen – wisse aber noch nicht genau, in welche Richtung es gehen soll. Da sie bereits früher bei mir in der Einzelberatung war, kennt sie das Beratungssetting, und das nötige Vertrauen ist da.
Ich versprach ihr, den Test gleich zuzusenden. Gleichzeitig fragte ich sie, was sie im Moment wirklich brauche und wolle. Reicht es ihr, diesen Test auszufüllen und die Auswertung eigenständig vorzunehmen? Oder möchte sie ihr Leben tiefergehend anschauen? Wenn es lediglich um den Test gegangen wäre, hätte allenfalls ein Seelsorgegespräch mit einer ehrenamtlichen Person genügt. Gemeinsam hätten sie das Resultat besprechen, beten und prophetisch auf Gott hören können. Doch die Mutter wollte mehr. Sie erzählte, dass sie grundsätzlich eine neue Balance für ihr Leben finden und ihre Stärken besser kennenlernen möchte. Ich erklärte ihr, dass dies auch eine Frage ihres zeitlichen und finanziellen Investments sei. In einem Life-Coaching könnte sie sich mithilfe verschiedener Tools – zum Beispiel Persönlichkeitstest, Stärken-Tool, Dilts-Pyramide, Lebensrad, Bilderkarten oder symbolischer Visualisierung – mit sich selbst auseinandersetzen. Fragen von aussen helfen, die eigene Situation besser zu verstehen und einzuordnen. Im Rahmen einer Supervision könnte sie ihre aktuelle Situation auch dann reflektieren, wenn sie noch kein klar umrissenes Thema hat. Reflexionsfragen, Spiegelungen und Wahrnehmungen des Supervisors können im Gespräch neue Perspektiven eröffnen. Oder möchte sie sogar Beratung in Anspruch nehmen? Dann würden wir auch biografische Prägungen anschauen: Wie sind bestimmte Ansichten entstanden? Was lebt sie heute, das ihr vielleicht gar nicht mehr entspricht? So kann sie sich ihrer Situation bewusster werden und daraus konkrete Schritte ableiten.
Ich merkte, dass die Frau zwar mehr aus ihrem Leben machen wollte, aber noch keinen klaren Plan hatte, wie sie das angehen könnte. Doch der erste Schritt war bereits getan: Sie hatte das Gespräch gesucht. Ich gab ihr meine Visitenkarte, damit sie sich auf meiner Homepage über die verschiedenen Angebote informieren kann. Den Gabentest sandte ich ihr natürlich ebenfalls gleich zu. Ohne etwas zu überstürzen, darf sie nun herausfinden, was sie sucht – und sich dann wieder melden. Auch Gespräche mit meiner Frau in Kloten oder an einem anderen Ort sind möglich. Entscheidend ist: Sie selbst soll und darf wählen, welcher nächste Schritt für sie passt.
